Sonntag, 1. Juli 2007

Vorwort

Vier Mann in einem Boot -  
der Versuch eines Logbuchs

Eine Schnapsidee oder die neue Attraktion für Ochsenfurt? Als der Stadtrat im Juni 2007 den Kauf eines Fährschiffs beschließt, weiß niemand recht, wo dessen Weg hinführt. Ein dreiviertel Jahr zuvor war die Alte Mainbrücke gesperrt worden, von heute auf morgen. Die Stadt einer ihrer Hauptschlagadern beraubt. Gutachter hatten dem 500-jährigen Viadukt den Totenschein ausgestellt. Mit ihr droht auch ein Stück der Altstadt zu sterben.
Die erste Fähre verkehrte schon wenige Tage danach. Horst Obermeier, einer, den man getrost einen Aktionskünstler nennen kann, setzte mit ihr über. Zum Spaß nur, aber mit ersten Folgen. Gerhard Lauer, Boutiquebesitzer und Leid Tragender einer brückenlosen Altstadt, machte sich die Idee zu eigen, kontaktierte Schiffsmakler und Behörden und machte sich schließlich allein auf die Suche nach Mehrheiten.
Es ist ihm geglückt, trotz vieler Zweifel und trotz unbeantworteter Fragen entschied sich der Stadtrat zum Kauf eines Schiffs. Der Verkehrsverein sicherte seine Unterstützung zu. Das Objekt der Begierde, 17 Meter lang, hatte mehr als 40 Jahre lang bei Remagen den Rhein gequert. Ein Jahr lang ist es außer Dienst und wartet bei einem Schiffsmakler nahe Rotterdam auf einen neuen Besitzer. Aus eigener Kraft soll es den Weg nach Ochsenfurt finden. Ich gehöre zur vierköpfigen Crew, nehme mir vor, Bericht zu geben, nicht ahnend welche Begeisterung die große Fahrt in vielen Menschen auslösen wird.
Schnell fällt die Entscheidung, das Protokoll der Überfahrt als Buch herauszugeben. Nur ein Bruchteil davon war in der Main-Post nachzulesen. Trotzdem überwältigte mich das Echo.
Längst ist noch nicht klar, ob die Fähre ihren Dienst aufnimmt, ob sie am Ende die Aufgabe erfüllt, die man in ihr zugedacht hat. Fest steht aber schon heute, dass selten zuvor eine Aktion in Ochsenfurt von so viel positiver Emotion begleitet war.

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